16.08.2013

Ich bin ein Pängster!


Als meine Freundin neulich die einleitenden Worte der Chefredakteurin des gleichnamigen Magazins vorlas, machte es tatsächlich PÄNG!
Denn die Frage lautete:"Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal getan?"
Während man sich mit jedem neuen Lebensjahr freut, ein wenig mehr in wohlig gesättigter Lebenserfahrung zu baden, juchzte ich diesmal vor Freude wie ein kleines Kind: "Letzten Freitag!"

Generell verplane ich Urlaube nicht, nehme nur hier und da ein paar Informationen mit. Doch in diesem Jahr gab es eine Sache, die mir keine Ruhe ließ. Denn als Nina im Juni von der geführten Streetart-Tour in Berlin schrieb, versank ich in ihren Fotos und sog ihre Worte auf wie ein nimmersatter Schwamm. In mir wallte dieser Wunsch auf, dass wir irgendwann ...

Prinzipiell sind Irgendwanns aber keine gute Sache. Irgendwanns enden meist mit einem Nirgendwann. Meine aufgebaute Aversion gegen diese Millionenstadt, die mir mit ihrem hektischen Treiben schon vor vielen Jahren nur für Wochenendbesuche geeignet erschien, überwand ich ebenso wie die Vorstellung in dieser Stadt Auto fahren zu müssen. Für letzteres gibt es Park&Ride-Plätze am Rande der Stadt, für den Rest taugt nur die Vorfreude auf das Kommende. Und die war, nachdem ich den Jungs an jenem bedeutungsschwangeren Tag offeriert hatte, welch gut behütetes Geheimnis der Freitag barg, auf allen Seiten groß.

Also auf in die Hauptstadt, in der, kaum dass wir die ersten S-Bahnstationen hinter uns gebracht hatten, der Große seufzend meinte: "Mama, versprich mir, dass wir nie nach Berlin ziehen!". Ich schwor es und zog mit ihnen stattdessen um die Häuser.

Die von Alternative Berlin initiierte Streetart-Workshop-Tour führt durch Kreuzberg und Friedrichshain, wurde auf Englisch gehalten und für meine Jungs dank unseres Guides doch noch astrein ins Deutsche übersetzt, so dass ich mich auf´s Zuhören beschränken konnte.



Neben Hintergrundinformationen zu den einzelnen Künstlern und ihren Werken gab es ausführliches Wissen zu Techniken, Materialien die eingesetzt wurden (wusstet ihr, dass man mit einem umgenutzten Feuerlöscher sprayen kann?) und lernten absolute NoGos kennen.

Victor Ash - Cosmonaut



Gesellschaftskritisch zeigen sich vorallem die Werke von Blu, die er im Rahmen verschiedener Contests in Berlin gefertigt hat, also alles offizielle Kunstwerke.



Mein absoluter Favorit stammt aber aus der feinsinnigen Ader der italienischen Graffitikünstlerin Alice Pasquini, die nach dem Grundsprayen vorallem mit Pinsel und Stiften weiterarbeitet und somit zahlreiche Facetten in den einzelnen Werken möglich macht. Hier ein Porträt ihrer Tochter, die mittlerweile auch schon in die Graffitiszene eingetaucht ist.

Nach zweieinhalb Stunden künstlerischen Inputs waren wir endlich an der Reihe. In einer atemberaubend schönen alten Fabrik hieß es nun schnippeln und sprayen.


Alles was man für´s erste Mal wissen muss, wurde uns im Workshop ausführlich erklärt - auch wenn ich teilweise schon einiges wusste - die Schablonentechnik hatte ich im letzten Jahr bei der Jacke für den Jüngsten verwendet - so war doch das Sprayen an sich neu und unheimlich faszinierend. Und wiederholungswürdig.

Zwischendrin gilt: Viel Geduld haben, denn die Schichten müssen ordentlich trocknen, damit nichts zerstört wird.


Na, was wird es?



Und dann PÄNG!

Da war es also unser letztes Erstes Mal!

Und mit dem letzten Bild ein wenig Kindheitserinnerungsschwelgen - kennt noch jemand "Beatstreet"?






Kommentare:

  1. Klingt sehr spannend, hätte ich auch interessant gefunden.
    Deine Gefühle die Hauptstadt betreffend kann ich gerade sehr gut nachvollziehen. Wir haben unseren Urlaub in der Nähe verbracht und waren zweimal, natürlich auch wohlweislich mit der S-Bahn, in der Stadt. Nicht schlecht, um sich was anzuschauen. Aber da wohnen - niemals! Da lieb ich mir doch mein überschaubares, recht grünes, vergleichsweise sauberes und außerdem einfach schönes Dresden! :-)

    Liebe Grüße, Doro

    AntwortenLöschen
  2. eine richtig coole sache — und die arbeiten auch so spannend. das beste daran finde ich, dass ihr selber gesprayt habt. audrey ist super geworden! ich mag auch das zwischenstadium sehr.
    liebe grüße und auf weitere erste male, die das irgendwann vor dem nirgendwann retten!

    AntwortenLöschen
  3. hieR auch schon einmal gehackenteert. so inteRessant. wie andeRs aufmeRksam ich nun duRch die stRaßen gehe. abeR mit selbst spRayen .... das wäR Richtig gut gewesen. dein eRgebnis gefällt miR. was kannst du eigentlich nicht?
    liebe wochenendgRüße. käthe. die auch pängsteR ist :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stricken! :-)

      Und ja, man schaut die Streetartkunstwerke gleich nochmal ganz anders an, auch wenn ich ihnen immer schon verfallen war. An einem Skaterpark in unserer Nähe bekamen wir vor einiger zeit ein völlig Neues geschenkt, von den bin ich hin und weg, weil die Farben auch noch so fantastisch sind.

      Löschen
  4. Das ist ja mal ne coole Tour....merken fürs nächste mal! Danke für den Tipp!
    Wir waren letzte Woche auch in Berlin.....haben aber die grünen Ecken genossen :o)

    Ich habe die ersten 27 Jahre meines Lebens in Berlin verbracht....und bin immernoch ein bisschen dort zuHause......aber mit den Jungs würde ich nicht mehr in die Stadt ziehen. Versteh ich deinen kleinen Großen gut!

    Herzlichst Sandra

    AntwortenLöschen
  5. Das is ja cool, die Tour hätt ich auch sofort mitgemacht, wäre ich in der Nähe ... unter anderem oder vorallem auch wegen des selber sprühens. Und einen Tag Berlin. Ich bin gerne einen, zwei oder auch drei Tage in der (oder einer anderen) großen Stadt!

    AntwortenLöschen
  6. Spannend..., ich beäuge auf meinen wöchentlich 2 Tagen in Berlin auch immer mit großem Interesse Neues an Wänden und Häusern... Ich liebe Berlin und ebenso, es so in der Nähe zu haben. Aber "sein" kann ich besser bei mir vor den Toren der Stadt... - auch deine "Schweinereien" - herrlich ;-) Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen
  7. Das sind wirklich tolle Arbeiten. Dieser Treppenaufgang, Os Gèmeos, wunderbar.

    Dein denke und fühlen gegenüber Berlin kann ich super nachvollziehen.
    Ich wohne gerade selber in Berlin. Möchte aber irgendwann lieber wieder ins Grüne ziehen. Berlin ist einfach zuuuu groß und voll.

    Liebste Grüße
    Dana

    AntwortenLöschen
  8. Liebste Katja,
    Du hast keine Vorstellung, wie sehr ich mich freue, dass es Euch so gut gefallen hat. Deine Fotos und Eure Kunstwerke sind großartig und ich schau mir diesen Beitrag bestimmt noch öfter an. Wunderschön.

    Alles Liebe von Nina

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Katja,
    vielen Dank für die Streetart Tour. Ich hatte einen solchen Kurs für dieses Jahr auch auf meinem Plan -- allerdings ist dieser in diesem Jahr leider doch nicht angeboten worden :-( Hoffe, dass ich ihn noch nachholen kann. Macht bestimmt sehr viel Spaß! Zumindest konnte ich beim Sprayen schon im letzten Jahr aus meinem Bürofenster zugucken :-)) Vielen Dank für´s zeigen! Herzliche Grüße Corana

    AntwortenLöschen

Schön, dass du hier bist. Ich freu mich sehr über ein nettes Wort oder zwei oder drei :-)