20.01.2014

Streuobstwiesenglück #1 - SINNblick2014


Es war kalt an jenem Tag, als die Sonne zwar alles gab, um das Wintergrau in ein warmes Licht zu tauchen, aber die Kälte dennoch in jedem Hosenbein hochkoch, je länger ich hoch über der Stadt verweilte. Ein wundervoller Sonntag, an dem ich zum ersten Mal in diesem Jahr ganz intensiv und mit allen Sinnen genießen wollte.
Für Annettes Projekt SINNblick2014 einen Platz zu finden, der den Wandel im Laufe eines Jahres so anschaulich macht und den man wirklich und gerne mit allen Sinnen genießt, das war nicht schwer.
Denn für mich gibt es nichts Schöneres, als unsere Streuobswiese mit all ihren Facetten. Und so werde ich euch jeden Monat Ein- und Ausblicke von diesem magischen Ort zeigen.


Als ich die Wiese erreiche, trifft mich diesmal der Schlag. Deutlicher als an allen anderen Tagen zuvor höre ich das gemeingefährliche Autobahnbrummen - der einzige Makel, den unser Kleinod hat. An Tagen, an denen kein schützendes Blätterkleid am Baum und fehlender Wildwuchs auf den Wiesen vorhanden ist und wenn der Wind ungünstig steht, dröhnen die Geräusche herüber, dass man sich wünscht, man könnte mit einem Fingerschnipp die gesamte Rennstrecke wegzaubern.

Aber es zeigt sich auch an diesem Tag, dass die Wiese ihre ganz besonderen Zauber entfaltet, wenn man sich auf sie einlässt. Denn schon nach kurzer Zeit, in der ich meine Aufmerksamkeit darauf richte, diesen Ort mit all seinen liebgewonnenen Flecken abzulichten, nach all dem schaue, was ich dort so mag, verschwindet das monotone Brummen und die Seele hopst vor Freude durch Zeit und Streuobstwiesenraum.

Ganz oben steht unser Bauwagen, in dem wir alle lagern, was wir so brauchen ... Gartengeräte wie Sense und Schaufeln, Grabegabeln, aber auch den zweiten Campingkocher, der hier besonders gute Dienste leistet, wenn wir einen Nachmittagskaffee genießen wollen oder die Überreste vom Kuchen von den Tellern spülen. Da stehen die Tische und Stühle, die wir bei Bedarf hinausschaffen und es liegen Matratzen zum Übernachten bereit. Vielleicht kommt nochmal ein Zelt dazu, das oben bleiben darf, damit wir nicht immer alles mitschleppen müssen, wenn wir ein komplettes Wochenende auf der Wiese verbringen.

An der Tür prangt, was uns eigentlich ein Dorn im Auge sein müsste, denn die Misteln, so schön sie zur Weihnachtszeit sind, sie setzen den Apfelbäumen sehr zu.
Für ein bisschen Glück und Liebe dürfen sie aber zumindest am Bauwagen bleiben.

Dieser magische Ort ist noch ganz urtümlich. Wasser müssen wir in Kanistern entweder von daheim mitbringen oder aber zum kleinen Bach in einiger Entfernung hinabsteigen und mit vollen Kanistern wieder hinauf. Es erinnert ein wenig an afrikanische Verhältnisse. Aber wir nehmen es in Kauf, denn diese Urigkeit macht es so besonders.



Für den Riesenhüpfespaß von Groß und Klein hat die liebe Freundin im letzten Jahr ein großes Trampolin gekauft.

Dort tollen die Kinder manchmal stundenlang, kommen nur schnell herunter, um den Hunger zu stillen und düsen anschließend wieder ab. Das Autowrack, das vom eigentlichen Pächter der Wiese hinterlassen wurde, ist ebenso Spielplatz und ersetzt jedes noch so geniale Computerspiel. Hier ist noch Raum für kindliche Fantasie, Zeit für Ausgelassenheit, Lachen.
Und für mich ganz oft die Zeit um mich in den Gaben der Natur während des Fotografierens zu verlieren.

Denn wenn man glaubt, so grau und unwirklich wie sie grad daherkommt, bietet sie nichts, was des Fotografenherz begehren könnte, so irrt man gewaltig.

Gerade in der Winterzeit machen die Überbleibsel des vergangenen Jahres den besonderen Reiz aus. Fasziniert wie schon die Jahre zuvor, lege ich mich auf den Boden und lasse die Kälte einfach in den Hosenbeinen hochkrabbeln - zu schön ist der Anblick, der sich in den zarten Gräsern widerspiegelt.

Und damit lasse ich euch allein. Genießt die Bilder, die Monat für Monat andere Eindrücke bringen werden. Und wer ganz genau hinschaut, der entdeckt, dass es tatsächlich möglich ist, einen Regenbogen einzufangen, ohne dass es geregnet hat.




SINNblick2014 im Januar

gesehen: dass der Winter viel zu bieten hat
gehört: zuerst die Autobahn und dann den leisen Hauch des Windes
gerochen: winternasse Erde
gedacht: dass es ein großes Glück ist, an diesem Ort zeitweise leben zu dürfen

Wie gemacht ist diese Wiese, um in Zukunft auch regelmäßig Bilder für Tabeas 12tel Blick und Steffis fantastischen Makromontag zu liefern.

Kommentare:

  1. ....
    Ohne Worte
    danke
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  2. wunderbar, einen Platz zu haben, wo das Herz zu singen und die Seele zu hüpfen beginnt.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen
  3. Ach Liebchen, die Streuobstwiese, die Bilder machen wieder einmal deutlich, was für ein Platz voller Zauber das ist.
    Drücke Dich.
    Nina

    AntwortenLöschen
  4. was für wunderbare bilder, liebe katja! der text sowieso.
    ich kann dich gut verstehen, dass diese wiese dir so viel bedeutet.
    herzlichst
    die frau s.

    AntwortenLöschen
  5. Das Paradies direkt hinterm Haus?!
    Wunderschön und bezaubernde Einblicke die du da zeigst.
    Die Grasphotos haben mich besonders gefangen.

    Liebe Grüße von Annette

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na direkt hinterm Haus ist es (leider) nicht, wir müssen mit dem Rad 15-20 Minuten strampeln und den letzten Teil einen steilen Berg hinauf.

      Löschen
  6. Liebe Katja, ein wundervoller Ort...! Und faszinierende Bilder... Wie schön, dass Du uns ein Jahr lang mit dorthin nimmst! Eine schöne Woche Dir, herzlich, Marja

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Katja,
    ich habe Gänsehaut, so schön passt Dein Text zu den Bildern, und freue mich sehr, dass Du uns monatlich mitnimmt an diesen bezaubernden Fleck Erde!
    Ich drück Dich und wünsche Dir eine gute Woche!
    Annette

    AntwortenLöschen

  8. Was ein schöner Rückzugsort - auch wenn ein bisserl ungeliebte Geräusche da herangetragen werden..sehr schöne Bilder, liebe Katja!
    HG
    Birgit

    AntwortenLöschen
  9. Was für ein traumhafter Ort, selbst im tristen Januar!
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  10. Paradiesisch traumhaft schön!

    Liebe Grüsse

    Karima

    AntwortenLöschen
  11. oh wie fein! da möchte ich unbedingt mitmachen. mal sehen ob ich's schaffe (; wunderschönste Bilder hast du da gemacht ❤

    liebst,
    Eva

    AntwortenLöschen
  12. Was für ein traumhafter Ort um die Seele zu erfrischen und eins zu sein mit der Natur!
    LG Patricia

    AntwortenLöschen
  13. Ein traumhafter Ort ... so ein Bauwagenrückzugsort, das wäre auch was für mich. Toll, dass ihr so etwas besitzt ..

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na Katja, ihr habt doch bal einen ganzen Hof für euch :-)

      Löschen
    2. Aber keinen Bauwagen ... ;-)

      Löschen
  14. Liebe Katja,

    wie schön, euer wundervolles Idyll auch um diese Jahreszeit sehen zu dürfen. Hier muss man sich einfach wohlfühlen.

    GLG
    Rebekka

    AntwortenLöschen
  15. die superlative, mit denen ich diese rundum runde bild- und textliche streuobstwiesen-bezauberung kommentieren möchte, müssen noch gefunden werden (dafür wäre ulma zuständig...) - herrlich und genau der richtige ort fürs sinnblick-projekt. lieben gruß ghislana

    AntwortenLöschen
  16. Eine Steuobstwiese - hach! Hab das Wunschmonikel endlich benutz. Sternenklarer Himmel war hier in letzter Zeit nicht grad oft zu haben. Danke nochmals dafür.

    AntwortenLöschen
  17. Was für ein schöner Ort! Und traumhafte Fotos. Freue mich sehr, die Streuobstwiese durchs Jahr durch Deine Bilder begleiten zu dürfen!

    Liebe Grüße
    Feli

    AntwortenLöschen
  18. Bin schon wieder ganz hingerissen von deinen traumhaften Gräserbildern. Hab deinen Post schon heute mittag in der Pause auf dem Handy gelesen, aber die Bilder nicht so gut gesehen.
    Und jetzt am PC, einfach traumhaft, Text wie auch Fotos. Danke, werde dir auf alle Fälle übers Jahr folgen
    LG Siglinde

    AntwortenLöschen
  19. Liebe Katja!
    Lieben Dank für diese wunderbaren Bilder! Ich war richtig mitten drin in der Wiese und die Költe ist mein Hosenbein hinaufgekrochen. Und ich freu mich schon auf die ersten zarten Blüten auf der Streuobstwiese.
    Liebe Grüße
    Suse
    (PS: Hast Du meine Bestellung bekommen?)

    AntwortenLöschen
  20. Was für ein schöner Ort! Absolut traumhafte Fotos!
    LG Mary

    AntwortenLöschen
  21. Hallo Katja,
    die Nuss bin ja wohl ich, gerade habe ich ein paar Seiten zurückgeblättert, aber ich habe wohl tatsächlich nichts dazu geschrieben :-)
    Willste tatsächlich selber häkeln oder im blog darauf hinweisen, Du Nicht-Nuss?
    Ganz liebe Grüße von der Trulla

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Och klar, eine Runde Häkeln wär doch mal was Anderes. :-)

      Löschen
  22. Bei den Bildern habe ich das dringende Bedürfnis nach einer Streuobstwiese! Ein Traum! Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses schöne Fleckchen in den nächsten 11 Monaten wandeln wird.
    Liebe Grüße von Steffi

    AntwortenLöschen
  23. schön wieder, von oben bis unten! und ich gäbe auch ziemlich viel für so einen Ort…
    herzliche Grüsse aus der engen Stadt.

    AntwortenLöschen
  24. Schöne Bilder......schöner Ort. So ein Bauwagen........ mein Traum ;)
    Liebe Grüße
    Sonja

    AntwortenLöschen
  25. Sehr vielseitig, dieses schöne Fleckchen Erde.
    Liebe Grüße, Brigitte

    AntwortenLöschen

Schön, dass du hier bist. Ich freu mich sehr über ein nettes Wort oder zwei oder drei :-)