28.05.2014

Warum es so wichtig ist, (die richtigen) Entscheidungen zu treffen.

Gestern war einer jener Tage, wie ich sie so sehr liebe. Wenn es denn so völlig anders als geplant und dabei so herrlich glücksmomentelig zugeht.
Wir saßen auf Arbeit zusammen und schlossen fast schon Wetten ab, ob ich es denn an jenem wolkenbehangenen Tag mit meinem Rad trocken bis nach Hause schaffen würde. Die Regenklamotten hatte ich vorsichtshalber zwar dabei, war aber gewillt, ein gewisses Maß an herabfallender Nässe ohne zu Murren hinzunehmen. Und kam damit weit über das geografisch gesetzte Ziel hinaus. Denn normalerweise ist am Großen Garten Schluss.
Der wirkt nämlich üblicherweise wie ein Wassermagnet, in den man trockenen Fußes einfährt und auf der anderen Seite völlig aufgeweicht wieder ausgespuckt wird.
Hindurch kam ich also unberegnet, aber eine Querstraße weiter bevorzugte ich zumindest den schnellen Überwurf der Regenjacke. Die Hose verblieb aus Faulheitsgründen in der Tasche.
Vier Querstraßen weiter zog ich es vor, dem Kübelguss durch einen Sprint in die Lieblingsbuchhandlung auszuweichen und zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn ich wollte ohnehin noch ein Papatagsgeschenk besorgen.
 

Der Regen jedenfalls zog es vor, auch nach dem Bezahlvorgang in ungehinderter Präzens aufzuwarten, so dass ich beschloss, noch eine Runde durch die Kinderbuchabteilung zu spazieren und das auferlegte Buchkaufverbot mal wieder zu brechen.
Denn als ich neulich über Antjes Post und Antwortbrief bezüglich ihres lautbrüllenden Autorenkollegen und Kinderbuchtüffler Kai Lüftner las, mir seinen offenen (in meinen Augen berichtigterweise lauten) Brief (ein wenig runterscrollen zum Eintrag vom 25.05.) zu Gmeüte führte und jammernderweise nickend zustimmen musste, schleuderte es mich, neugierig wie ich bin, weiter in seinem Account und ich fand einen Link zu seinem Fernsehauftritt bei Herrn Lanz. Auf Anhieb machte sich eine Sympathie breit für einen Menschen, der so laut brüllt und dabei so unglaublich sympathisch sensibilisiert ist für die schönen Kinderseiten im Leben.
Es kam was kommen musste, wenn ich es mich emotional packt - dann entbrennt in mir dieses "Muss ich haben!"-Gen. Das ist wie mein Kaufverhalten bei CDs, die ich, wenn Neuland betretend, prinzipiell nach Cover kaufe. Ja, die Optik muss bei mir stimmen. Oder die Sympathie.
Hier stimmte beides.
Und so fand auch das Kaff der guten Hoffnung seinen Weg in die kleine Tüte, die meine Bücher vor diesem schlimmen Regenguss bewahren sollte.
Draußen immer noch Kübelregen.
Egal.
Die Hose war sowieso nass, der Rest konnte nicht nasser werden und so stürzte ich mich in diesen herrlich warmen Sommerregen und beschloss, sobald ich heimgekommen wäre, die Schuhe in die Ecke und die Jacke in die Wanne zu werfen, um mich ganz und gar dem Himmelsguss hinzugeben.
Bis auf die Knochen.
So mein Plan.
Wäre da nicht noch dieses kleine magische Etwas gewesen, das am Himmel erschien und mit gleichzeitig lautem Krachen unmissverständlich klarmachte, dass ich in den nächsten Minuten wohl doch nirgendwo durch Pfützen und im strömenden Regen hüpfen würde, es sei denn ich wollte austesten, ob die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden tatsächlich größer wäre, als im Lotto zu gewinnen. (In meinem Fall 100%ig, denn wer nicht Lotto spielt, wird auf jeden Fall erschlagen, damit die Statistik stimmt!)

Irgendwann verzogen sich Blitz und Donner und das große Kind ließ sich von meinem "Komm, wir gehen raus und tanzen im Regen!" nach einem kurzen ungläubigen "Eeeecht?" anstecken, holte freudig seinen Bruder und dessen Freund dazu und mir blieb voller Freude über so viel kindliche Freude über eine Mutter, die entgegen vieler anderer die Ihren zum Regentanz aufforderte, erst mal nichts anderes als die gezückte Kamera.

Wann hatten die Meinen das letzte Mal so viel Spaß, wann gaben sie sich ausgiebig einer Sache hin, die den meisten wenig erstrebenswert erschien?

Ich fand das toll, denn ich habe ich bis heute jenen Tag aus meiner eigenen Kindheit nicht vergessen, in der es ähnlich heftig schüttete und das defekte Regenfallrohr einen perfekten Duschtrahl abfeuerte, in dem wir hin und her hüpften, bis wir komplett durchgenässt waren, die Sandalen vor Vergnügen quietschten und wir Kinder einfach nur glücklich waren über so viel Himmelsfreuden.

Hätte ich nur schon den eingeplanten Regenschutz für die Kamera gekauft gehabt, ich hätte so viel bessere Bilder aufnehmen können.

So blieb ich unter meinem Vordach und jubelte von da aus über die Spiele, die sie sich ausdachten.

Beobachtete die sportlichen Ambitionen ...
(Ich hätt ja schon allein mit Liegestütze meine liebe Mühe, aber dann auch noch mit vollgesogenen Klamotten mitten im Tümpel ... mein lieber Schwan!)

Und freute mich einfach daran, dass sie jede Menge Spaß haben!

Denn das ist nicht selbstverständlich. Das Leben ist ein Geschenk und so manche Familie glücklich über jeden weiteren Tag, den sie mit einem geliebten Menschen verbringen darf, weil nicht sicher ist, wie viel Zeit ihnen noch bleibt.

So wie all jene, deren Angehörige an Blutkrebs erkrankt sind. All jene die hoffen und bangen und sich wünschen, dass es doch endlich einen passenden Stammzellenspender geben wird.

Da nur ein Drittel aller Krebspatienten in der eigenen Familie einen geeigneten Spender finden und jeder Fünfte Erkrankte vergeblich einen Spender sucht, ist es um so wichtiger, dass man den Mut zu der Entscheidung fassen kann, anderen Menschen helfen zu wollen.

Ich habe diese Entscheidung vor sechs Jahren gefasst, die Untersuchung meines genetischen Materials selbst bezahlt, weil die DKMS einen Teil der notwendigen Kosten aus Spenden finazieren muss. Und dennoch habe ich ewig gewartet mit dem Entschluss, meine Speichelprobe einzusenden. Warum auch immer!

Seit einigen Wochen jedoch trage ich meinen Spenderausweis mit mir herum.
Damit ich hoffentlich eines Tages sagen kann: "Meine Spendernummer lautet ...."
Damit vielleicht eines Tages ein anderer Mensch wieder fröhlich durch die Pfützen springen und das Leben genießen kann!

Und obwohl ich mich selten an irgendwelche vorgegebenen Erinenrungstage halte, so will ich dennoch den heutigen World Blood Cancer Day zum Anlass nehmen, zu erinnern.

Dass ihr das Leben in vollen Zügen genießen sollt.

Und dass es da draußen Menschen gibt, die vielleicht mit eurer Hilfe wieder hoffen und leben dürfen!
Danke!



Kommentare:

  1. wie wundervoll, tolle Fotos, Freude pur!!! und ja es tut gut mal so richtig durchgeregnet zu werden, ich liebe es!
    liebe grüße,
    Silke

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  2. Auch bei uns gab es schon Regentänze und auch bei mir hat sich ein besonderer Regentanz meiner Kindheit ins Gedächtnis gebrannt. Ein warmer Sommertag mit einem warmen Sommerregen am Abend und beschwingt fröhlichen Eltern, die mir wahrscheinlich ähnlich begeistert zugeschaut haben wie du den Deinen.

    Liebe Grüße, Nicole

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  3. Ach wie toll - ich bin ja auch eher der....ich-kuschel-mich-unter-die-Decke-und-bleib-drin-wenns-regnet....aber vielleicht sollte man auch manchmal über seinen Schatten--äh---in die Pfütze springen ;-) LG

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  4. ;-), herrlich..., wir waren gestern am Tegeler Fließ wandern, und auch das war nicht nur unten nass ;-), triefnasse Katzen gaben wir ab, aber gut gelaunte... lieben Gruß Ghislana

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  5. Och Mensch,
    in mir Freude über die wunderschönen "so iss das Leben" Foto´s und etwas Traurigkeit wegen der Menschen, die krank sind und wie Du beschrieben hast auf einen Spender warten.
    Schön das Du Spender bist ♥
    Liebste Grüße
    petra

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  6. Ich liebe die Art, wie du erzählst! Wie du mit Worten jonglierst und das ganz mit wunderschönen Bildern in ein berührendes, zauberhaftes Etwas formst, das federgleich schwebend Bewunderung weckt.....
    Herzlichst
    yase
    Die sich das ganze Spenderwerden nun endlich mal aus der Nähe angucken muss

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  7. Ich bin immer wieder verblüfft, wir Du es schaffst, Wörter so viel Leben einzuhauchen. Wirklich wunderbar geschrieben. Ich habe es immer geliebt, wenn meine Mutter uns regenfertig machte und wir dann auf dem Hof plantschen durften. Danach, wenn wir so richtig klatschnass und müde waren, gings ab in die heiße Badewanne mit einer Tasse Kakao :)

    Ich bin schon seit einiger Zeit Spender, habe es damals auch selbst bezahlt & würde es auch wieder tun. Wobei ich aber auch ganz ehrlich sein muss, ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, käme ein Brief an. Wenn es um eine Spende in Form von Blut ginge, da bestände gar kein Zweifel. .. aber wenn es mit Vollnarkose und op wäre? Ich weiß es wirklich nicht... aber darüber zerbreche ich mir den Kopf wenn es so weit ist.

    Viele liebe Grüße
    anna

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  8. Ich erinnere mich an einen Moment, in dem ich mit lieben Freunden in der Sächsischen Schweiz durch den Regen getanzt bin. Wie herrlich!!! Danke für deine schöne Erzählung, die ein paar Erinnerungen an meine Lieblingsstadt hervorgerufen hat.
    Bei der DKMS bin ich auch seit einigen Jahren registriert und hoffe, vielleicht eines Tages einem Menschen eine zweite Lebenschance geben zu können. Man kann wirklich nicht genug Werbung für die Registrierung machen, schön, dass du vom World Blood Cancer Day erzählt hast!

    Lieber Gruß
    Steffi

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  9. Liebe,
    was hab ich diesen Post genossen und bin mit euch durch den Regen getanzt! umso schöner dann der Schluss - dein Aufruf "genießen und weiterdenken" - so feinst!
    Habt einen schönen Restfeiertag!
    Dania

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  10. Was für eine Lebensfreude die Bilder ausstrahlen! Und dass Du dann noch auf eine so lebenswichtige Sache einen Aufruf machst finde ich ganz groß...
    Liebe Grüße,
    Kebo

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  11. ...das habe ich am Anfang nicht erwartet, liebe Noz,
    dass dies ein so fröhlicher und lebensbejahender Post wird...seh schön,

    lieber Gruß Birgitt

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  12. Danke für den Post.
    So tolle Bilder, mitreißende Zeilen. Ich war fast mittendrinnen im Regen.....
    Und Hut ab, ich hab mir schon so oft vorgenommen, mich als Spender registrieren zu lassen... ich sollt das wirklich mal in Angriff nehmen.
    liebe Grüsse
    Tanja

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  13. Das ist so herrlich. Wunderschön die Bilder, so soll es sein!!
    Ich bin bestimmt auch schon 20 Jahre in der Spenderdatei und kam gerade zweimal in die engere Auswahl. Da sieht man mal wie wichtig es ist, dass ganz viele mitmachen weil die Wahrscheinlichkeit einen passenden Spender zu finden einfach irre gering ist.
    Und das "&" Zeichen habe ich lustigerweise auch vor einer halben Stunde fotografiert. Dein Beitrag heute (ist ja eigentlich gar nicht von heute) ist wirklich klasse. Er macht klar, dass das Glück so leicht zu finden ist und wie wictrig diese Momente sind, denn sie können so schnell vorbei sein.
    Schöne Grüße
    Jutta

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  14. Die Fotos sind so ansteckend und fröhlich. Schade, dass man selbst so oft vernünftig ist anstatt sich ins Leben und die damit verbundene Freude reinzustürzen.

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Schön, dass du hier bist. Ich freu mich sehr über ein nettes Wort oder zwei oder drei :-)