09.06.2014

My Monday Mhhhhhh #69


Die Sonne bruzzelt auf die Erde und das Auto dampft, als wollte es einer finnischen Sauna Konkurrenz machen. Im Kofferraum stapeln sich Igluzelt, Isomatten, Schlafsäcke und das nötigste, was wir für einen Kurztrip benötigen. Noch ein paar Futteralien eingepackt und schon düsen wir aus der Stadt, entgehen dank meiner Autobahnunlust einem Zehnkilometerstau. Die Kürze der Fahrt ist schön und wir schwingen uns frohgelaunt mit unserem Möppelchen in zahlreichen Kurven über enge Landstraßen zwischen wundervollen Baumalleen entlang, die in diesem Landstrich die Straßenführung vorgeben. Obwohl wir doch nur einen Tag verreisen fühlt es sich an wie eine Fahrt in den Urlaub.
Nach nur einer Stunde sind wir am Ziel angelangt und freuen uns über ein kleines Plätzchen für unser Zelt, das schnell aufgebaut ist, so dass wir nach einem kleinen Mittagspicknick endlich zum Wasser gehen können.

Da liegt sie zu unserem Füßen - die Blaue Adria.
Der Badesee entstand aus einem Tagebaugelände, in dem Kaolin für die Verarbeitung in verschiedenen Betrieben der Region abgebaut wurde. Dieser Bodenzusammensetzung verdankt der See das besondere Azurblau, das Namensgeber war.

Nun, da die Sonne aus ganzem Herzen herniederprasselt, gibt es ja nix schöneres, als das Anbaden sofort und unverzüglich zu starten.
Hinein in den See und dann ...

... himmelarschundzwirn ist das kalt!

Augenblicklich gefriert jedes Körperteil und ich bin nicht mehr fähig mich zu rühren.
Man mag es nicht glauben, aber zwanzig Grad können so schweinekalt sein.
Angesichts der Menschenmassen, die sich auf der Liegewiese tummeln, ist ein ungesehener Rückzug aus dem azurblauen Gewässer nicht möglich, ohne sich ganz und gar lächerlich zu machen.
Auch die Angela-Merkel-Technik ("Aussitzen") funktioniert nicht, denn dann wär ich ja schon drin.
Ich bevorzuge ausstehen.
Und akklimatisieren.
Mit jeder Minute, die ich mich assimilierend im Wasser befinde, beruhigt sich die Wasseroberfläche und Fische beginnen, mich zu umkreisen. Ich danke dem lieben Gott und der Campingplatzleitung, dass sie keine Pyranhas ausgesetzt haben, sondern nur Rotfedern, so weit ich dies ohne meine Sehhilfe erkennen kann.
Das Ausstehen hilft.
Nach fünf Minuten wage ich mich zwei Zentimeter weiter rein.
Nach weiteren noch zwei.
Und noch zwei.
Und.
Ich schwimme.
Schnappatmenderweise.
Ich hab ihn überlebt, denTäuschungsversuch einer blauen Mittelmeerküste in ostdeutschen Gewässern.
Und war mit allen Zweizentimeterschritten immerhin noch schneller als die Monsieurs, die mein Treiben belustigt beäugt haben.

Der Rest war blankes Genießen.

Rutschen bis zum Abwinken.

Seifenblasen einfangen.



Himmel einfangen und dabei das Phänomen des Regenbogens ohne Regen erleben.



Alles in allem ein schöner Tag, wenn ... ja, wenn ich mich dort nicht so wahnsinnig als Außenseiterin gefühlt hätte.

Ich besitze nämlich kein Tattoo.

Scheint aber ein Muss zu sein, wenn man auf diesem Campingplatz sein akzeptiert werden möchte.
Und schwuppdiwupp kamen meine gern bedienten Vorurteile zum Tragen.
Prinzipiell habe ich nichts gegen Tattoos.

Wäre ich nicht so feige und hätte nicht diese Sendung übers Tätowieren gesehen, wäre das vor vielen Jahren selbst entworfene schon längst auf meinem Schulterblatt gelandet.

Aber ich habe etwas gegen kann mit Menschen nicht umgehen, die offen mit ihren Tattoos Menschenfeindlichkeit propagieren und deren Blicke dich sofort und auf der Stelle töten. Und ich will mich nicht mit Menschen umgeben, die keinen blassen Schimmer mehr haben, falls sie ihn jemals hatten,  wie man sozial interagiert, die vergessen, dass das Miteinander auf gegenseitiger Rücksichtsnahme basiert.
Jene Menschen, die meinen, dass sie das Universum dieser Welt sind.
Die ungeniert rülpsen, rumkrakelen, menschenfeindliche Musik auf dem Campingplatz verteilen müssen, als gehöre ihnen ganz allein dieses Stück Land, die sich benehmen, als hätten sie ein Leben lang fernab der Zivilisation verbracht.
Gestern wurde meine neueste Lektüre ("Benehmt euch!" von Jürgen Roth und Stefan Gärtner) mit lebendigen Beispielen durchzogen, von denen ich hoffte, sie wären am Aussterben.
Schade, so schade, denn die geografische Lage hätte mich für einen Urlaub sehr gereizt. Im eigenen Bundesland, in der Nähe der wunderschönen Städte Bautzen und vorallem Görlitz, den Saurierpark um die Ecke, der allemal einen ganzen Tag gefüllt hätte und fast einen Katzensprung von Polen entfernt, wo ich nach all den Jahren gerne mal hingefahren wäre.

So blieb uns am nächsten Tag noch der Genuss eines stillruhenden Sees (die Macht sei mit den Frühaufstehern!) ...


und ein kleines feines Frühstück, ohne Schnickeschnacke.

Die Einfachheit liebend, vertritt dies heute meinen kulinarischen Beitrag.

Ich bin mir sicher, ihr habt da weit mehr Zeit investiert.

Kommentare:

  1. Wir konnten auch schon oft - und jedes Mal wieder begeistert - feststellen, wie toll es ist, einfach mal einen Tag "raus zu kommen". Und du hast herrliche Bilder mitgebracht, die die Sommeridylle wiedergeben und Worte, die das Naturerlebnis etwas weniger idyllisch werden lassen und ebenfalls bekannte Situationen wiedergeben... Du wirst schon noch ein idealeres Plätzchen finden und auf die Suche würde ich, bei den schönen Landschaftsfotos, gerne mitkommen!

    Liebe Grüße, Nicole

    AntwortenLöschen
  2. Da bekommt man gleich Urlaubslaune, wenn man sich deine Bilder anschaut! Einfach herrlich!
    Gruß Charlie

    AntwortenLöschen
  3. Es war ein Genuss, deinen Bericht zu lesen, so lustig das Reintasten, so traurig die "asozialen Tätowierten" (Achtung: Vorurteil) und so wunderschön die Bilder.
    Und das alles quasi vor der Haustür, aber du wohnst da ja auch in einem schönen Fleckchen Deutschlands, wie ich letztens bei meiner Dresdenreise feststellen durfte.
    Liebste Grüsse und danke schön, dass es auch heute den MMM gibt,
    Monika

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Katja,

    ich gestehe, Campingplätze sind nicht meins. Sofern man das behaupten kann, wenn man noch nie wirklich campen war...
    Aber deine Bilder sind wunder- und sehr stimmungsvoll, ganz besonders das mit dem "Fänger der Seifenblasen". Und das mit dem Ausstehen hat mich sehr amüsiert, kommt es mir doch sehr bekannt vor, jedoch in der leicht abgeänderten Taktik: ausgehen! Geht so: im Grunde gleich, jedoch unauffällig parallel zum Strand einige Meter gehen, irgendwann wenn keiner mehr guckt raus aus dem Wasser und von hinten wieder zurück zum Platz, idealerweise zwischendurch noch abduschen...

    Sonnige Grüsse,
    Kristina ♡

    AntwortenLöschen
  5. In großen Städten hat man dieses Klientel auch gerne in den Freibädern! Mein Mann sagt dann immer ganz lapidar, "guck mal, ne Bahnhofstoilette auf zwei Beinen"! Böse, ich weiß! Mir tun die Jungs nur immer leid, wenn ich mir vorstelle, wie sie dann mit 75 aussehen, wenn dann alles hängt....!
    Lass dir den Spaß nicht vermiesen, deine Bilder - und besonders die süße Zeichnung sind phänomenal!
    Gros bisou
    Sandra

    AntwortenLöschen
  6. uhhh, tapfer, ich stehe, knietief, stehe aus, drehe um und entsteige tapfer lächelnd den breiten grinsern entgegen... mir waren heute sogar angebliche 26 zu kalt. den rest teile ich mit dir, ich hab nix gegen tatoos, schon gar nicht gegen die menschen, die welche tragen - aber gegen schlechtes benehmen, ergo respekt- und rücksichtslosigkeit habe ich etwas, vor allem an plätzen, an denen ein tag für alle nur gut geht, wenn alle irgendwie aufeinander rücksicht nehmen...
    herzliche grüße
    dania, die sich etwas später dem kulinarischen montag mit einem sogenannten collagerezept anschließt...

    AntwortenLöschen
  7. Ach ja, es gibt unsympathische Menschen, mit und ohne Tattoo! Ich hätte auch so gerne eins und vor Jahren habe ich immer behauptet, daß ich mit 40 eins hätte, auf dem Oberarm, etwas florales, und jetzt bin ich fast 44 und hab immer noch keins :(
    Na, ob das noch was wird, bevor die Haut faltig wird??? ;)
    Liebe Grüße, von Annette

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Autsch, willst du dir die Schmerzen wirklich antun?
      Ich hab´s aufgegeben und mag jetzt lieber ohne leben :-)

      Löschen
  8. So ein amysantes Lesen. Bis zu letzteren Punkt und ich denke halt, jetzt will sie unser schönes Bautzen mit seiner wunderbaren Umgebung nicht mehr als Urlaubsdomiziel auswählen? Pfeif auf die von der Adria.... Wir haben so schönes zu bieten. Und sind so bunt.!! Wähl doch mal den Olbasee zum campen, von Guttau aus kann man wunderbar die Teichlandschaft erkunden. Natur pur, ein Biosphärenreservat was man prima mit Kindern entdecken kann. Oder doch lieber der Bärwalder See. Eine neu gestaltete Landschaft nach dem Tagebau. Entstanden ist ein heerlicher See mit tollem Strand, Marina und super Skaterstrecke von 20 km.
    Wer einmal in Bautzen ist, Sehenswürdigkeiten haben wir viele, aber auch eines der besten Eis. Was man nicht verpassen darf ist unser Eisdealer, Eissorten wie Milchreis Erdbeer oder Popcorn Vanillepudding, Weißbier oder, oder wo auch original das drin ist, was drauf steht, Super lecker!!!
    Und wer abends eine Kultkneipe sucht, der geht in die Radeberger Bierstuben. Ungestylt bis ins Detail. Nur leider nix für akute Nichtraucher, da wird geraucht. Jedoch urgemütlich
    Und Und und so unendlich mehr,,, das ich hoffe für meine Region ein bißel gesprochen zu haben
    Grüße aus Bautzen von Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Julia,

      na klar komm ich nochmal nach Bautzen, aber die Adria ist als Urlaubsort tabu - wir sind nämlich leider nicht die Einzigen, die von genau diesem Dilemma des Campingplatzes zu erzählen wissen. Das scheint also eine gewisse Grundtendenz zu hegen. Und die möchte ich im Urlaub nicht haben.

      Löschen
  9. Du bist soooo mutig!
    Ich hätte auf die Zuschauer gepfiffen, und wäre raus.... Ganz schnell!
    Die Gegend sieht traumhaft aus! Und Anstandslosigkeit kannst du überall treffen. Leider
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  10. zuerst bekommst du hier von mir einmal einen orden. langsam hineingehen – das ist für mich etwas unvorstellbares. es geht nur :: laufen und laufen und dann hineinhechten. und dann kommt natürlich auch die schnappatmung. uaaah.
    hach, und die mitmenschen. ja. mehr als ja kann man dazu wirklich nicht sagen. und auweh.
    wunderschön jedenfalls sieht deine – menschenausgesparte – heimatadria auf den bildern aus.

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Katja,
    so seid ihr ganz in unserer Nähe gewesen und habt dann solche gemischten Eindrücke machen müssen. Das finde ich schade und habe es selbst hier so massiv noch nicht erlebt - ich denke, es lag auch am langen Wochenende, da sind vermutlich andere Menschen campen als in den Sommerferien. Hoffentlich ist damit die Oberlausitz nicht gleich ganz abgeschrieben bei dir?
    Deine Zeichnung gefällt mir sehr gut. Ich fand dieses Wochenende das Wasser immer kälter, je wärmer es draußen wurde.
    Liebe Grüße von Lucia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lucia,

      ach was, abgeschrieben ist hier gar nichts, aber eben auch nicht geeignet für unseren Sommerurlaub. Das Schlimmste aber: Ich habe mich mit einigen Bekannten und Freunden darüber unterhalten und sie haben leider ebenfalls genau die selben Erfahrungen machen müssen. Und das nicht erst in den letzten Wochen, sondern über Jahre verteilt.

      Löschen
    2. Liebe Katja,

      mir fehlen die Campingerfahrungen, aber wenn das wirklich so ist, wäre ich echt sauer und würde mich auch nach etwas anderem umsehen. Wir hatten letztes Jahr in Brandenburg Pech mit dem Vermieter und werden dieses Jahr auf ein Quartier zurück greifen, das wir kennen. Nichts ist schlimmer, als den kostbaren Urlaub mit Ärger zu verbringen.

      Liebe Grüße von Lucia

      Löschen
  12. Liebe Katja
    Da bekomme ich richtig Lust auf Urlaub... Tolle Fotos. Die Aufnahmen mit den Seifenblasen finde ich klasse.
    Vielen Dank für's Teilen.
    Liebe Grüße
    Mandy

    AntwortenLöschen

Schön, dass du hier bist. Ich freu mich sehr über ein nettes Wort oder zwei oder drei :-)