09.03.2016

Die Logik des Regens ::zwei::


::Papier ist geduldig::

Das der Katagamis aus der Ausstellung >>Logik des Regens<< ganz besonders.
Schon der Herstellungsprozess widerlegt jedwede Schnelllebigkeit oder gar Hast.

::Sich Zeit nehmen:: ist der Inbegriff eines traditionellen Katagamis.



Das Papier wurde aus den besonders haltbaren Fasern von der inneren Rinde des Maulbeerbaums geschöpft. In Abhängikeit der Art und Feinheit der zu schneidenden Motive wurden die Blätter in unterschiedlichen Dicke hergestellt.


Kleinteilige, detaillierte Muster benötigten feine, dünne Papiere.
Großflächige Motive oder Muster mit dicken Streifen kamen mit dickerem Papier aus.



Je nach Anforderung verleimte der Katagami-Meister zwei bis sechs Lagen kreuzweise zusammen. Damit wurde gewährleistet, dass die Laufrichtung der Fasern in den einzelnen Lagen übereinanderlagen und dem Papier untereinander Halt haben, dessen Reißfestigkeit erhöhten. Das Prinzip ist wie dies einer mehrschichtigen Sperrholzplatte.

Als Kleber diente den Katagami-Meistern der tanninhaltige, sehr klebrige Saft der unreifen Früchte von Persimonen, einer Kaki-Art. Durch diesen Kleber »Kakishibu«  wurden die Papiere wasserbeständig und erhielten diese wundervolle dunkelrotbraune Farbe.
Die notwendige Flüssigkeit der Leime wurde dabei durch das Mischungsverhältnis verschiedener Sorten der Persimonen bestimmt.

Da dieser Herstellungsprozess und das Rezept des Papierleims über die Güte des späteren Katagami-Papiers entschied, wurde dieses Wissen wohlgehütet und nur innerhalb der Familien weitergegeben.





::Papier ist geduldig::


Die Katagamis-Hersteller waren es ebenso.

Die Herstellung des Papierleimes dauerte aufgrund der Fermentation bis zu fünf Jahre, manchmal noch länger.
Nach dem Verleimen musste das Papier bis zu acht Jahre an der Luft trocknen, um die Elastizität des Papiers zu erreichen, die es während des Schneideprozesses benötigte.

Das mehrlagige Papier, »Jigami«, wurde zum Abschluss der Vorbereitungen auf das gewünschte Format der Schablone zugeschnitten. Die geschnittenen Blätter konnten etwa 1500- bis 1800-mal zum Drucken verwendet werden, bevor sie durch Gebrauchsspuren unbrauchbar wurden.





Später, als die feudale Ordnung in Japan mit Beginn der Meiji-Zeit zu verfallen begann, reduzierten die Papierhesteller den Trocknungsprozess auf ca. zehn Tage, indem sie die Blätter in einem abgeschlossenen Raum über glühenden Sägespänen räuchern.
Die Papierfestigkeit erhöhte sich dabei durch den Harz im Rauch, gleichzeitig wurde es brüchiger als die luftgetrockneten Variante.
Der Feinheitsgrad der geschnittenen Muster sank.





::Papier ist geduldig::

Viele wunderbare geschnittene Muster - passend zu Michaelas Mustermittwochsthema im Monat März.


Kommentare:

  1. Dank dir für diese Infos - Wahnsinn dieser Aufwand!
    Da wird einem schon bewußt, warum manche Papiere so teuer sind.
    Liebe Grüße
    Sabine aus WO

    AntwortenLöschen
  2. danke fürs teilen. für was sich die menschen früher zeit genommen haben. dieses alte kunsthandwerk. lg maren

    AntwortenLöschen
  3. Zauberhafte Einzelstücke und wie geduldig sie mit Papier waren und wie lange es abgehangen wurde. Heute kaum noch vorstellbar in dieser schnell-lebigen Zeit...
    Viele Grüße, Synnöve

    AntwortenLöschen
  4. total faszinierend diese alten Techniken, danke, dass du es zeigst und so wunderbar erläuterst. Wie, mit welchen Werkzeugen die Schablonen dann geschnitten wurden, wird aber nicht erklärt? Geheimnis? Grandios, ich danke für diesen Exkurs, der Mustermittwoch ist doch sehr lehrreich!
    schönen Mittwoch wünscht Michaela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es waren Messer ähnlich wie Skalpelle, die die Meister auch noch selber gemacht haben und teilweise so etwas wie Stanzen in Mini, so wurde es auf Nachfrage erklärt.

      Löschen
    2. Wie kaze schon schrieb, wurden kleine Skalpelle verwendet.
      Die Katagami-Meister stellten sie wie auch das Papier und den Leim selbst her. Das hatte den großen Vorteil, dass sie unabhängig waren und dann wirklich alles aufeinander abstimmen konnten.

      Löschen
  5. Die irre langen Zeiten, die für Herstellung der Papiere etc. gebraucht wurden, haben mich neben den Mustern genauso fasziniert in der Ausstellung.
    Und die Exkatheit beim Bedrucken der Stoffe ist ja noch genauso ein Ding.Wer einen Kimono mal gesehen hat, weiß umd die große Fläche.Man kann nur den Hut ziehen. VG kaze

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir vorzustellen, dass bei der Kleinteiligkeit ein solch exaktes Ergebnis entsteht, fiel mir schwer und hat meine ganz, ganz große Bewunderung hervorgerufen. Ich war gerade in dieser Hinsicht restlos begeistert.
      Allerdings muss man wirklich bedenken, dass die Muster unter ganz anderen Bedingungen entstanden sind als wir es uns vorstellen können.
      Wenn ich manche Muster sehe, dann weiß ich auch, weshalb sie maximal eine halbe Stunde an einem Muster schneiden konnten.
      Ich glaube, die Konzentration lässt da relativ schnell nach.

      Löschen
  6. Hochinteressant ist dein Post, und so wunderschön die Musterbeispiele! Auch ohne zu wissen, dass die Papiere aus Japan kommen, ahnt man bei der Beschreibung des Herstellungsprozess das fernöstliche Denken.
    Danke und liebe Grüße
    Christine

    AntwortenLöschen
  7. schier unglaublich. welche ruhe und geduld dahinter steckt. und ich föne mein papier trocken...

    AntwortenLöschen
  8. Unglaublich..., und ich liebe ja Langsamkeit. Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen
  9. Ich bin betört und begeistert! Vielen Dank. Gruß Eva - mit leuchtenden Augen.

    AntwortenLöschen
  10. Liebe Katja, hab herzlichen Dank für die sensationelle Fischpost am Freitag:)) Einfach bezaubernd deine Kois.....wie hast du das nur gemacht!? Bin schon gespannt auf die Aufklärung;) so Drucken möchte ich auch können....mit meinem Ergebnis war ich so gar nicht zufrieden, seufz.
    Schönes Wochenende Dir,♥︎Kerstin

    AntwortenLöschen
  11. Ich komme gerade von Kerstin (buntine) und habe dort ehrfürchtig und voller Staunen deinen wunder-wundervollen Stoff bestaunt! Ich bin so was von hin und weg, sooo schön!!
    Liebe Grüße
    Moni

    AntwortenLöschen
  12. Nun warten wir sehnsüchtig auf Logik des Regens 3! Hab gerade bei Eva dein Stöffchen gesehen... ;-) Liebste Grüße Ghislana

    AntwortenLöschen
  13. Wahnsinnig spannend - wahnsinnig schön - lG Miriam "Mecki macht"

    AntwortenLöschen
  14. Habe gerade deinen Fischstoff bei eva gesehen und bin entzückt!!!!!
    Annette

    AntwortenLöschen

Schön, dass du hier bist. Ich freu mich sehr über ein nettes Wort oder zwei oder drei :-)